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Papiergeschichte

Papier – Alltagsprodukt und Kulturträger

Papier trägt Information und schafft Identifikation

In ihrem Buch »Papier: Produkt aus Lumpen, Holz und Wasser« schreiben Günter Bayerl und Karl Pichol:

„Papier ist ein so alltägliches Produkt, dass uns sein Gebrauch kaum mehr auffällt. Dabei begleitet es als Träger vielfacher Informationen unser ganzes Leben, bestimmt unsere Kultur als Schriftkultur.

Ob Kochbuch, Schulbuch oder Zeitung – Papier trägt und ermöglicht Information; ob Roman, Krimi oder Comic – Papier ermöglicht Unterhaltung; ob Bibel, Ritterepos oder Kommunistisches Manifest – Papier ermöglicht Beziehungen zwischen Zeiten und Welten. Papier ist auch Grundlage für den Austausch von Gütern und Dienstleistungen in Form von Geschäftsbriefen, Verträgen, Katalogen, Rechnungen usf. Die Verbindung von Geschriebenem und Beschreibstoff ist dabei so eng, dass Inhalt und ‚Überbringer’ oft gleichgesetzt werden. Begriffe wie ‚Geschäftspapiere’, ‚persönliche Papiere’ oder ‚amtliche Papiere’ sind längst in unseren Sprachschatz eingegangen. Dokumente oder Verträge werden als ‚wichtige Papiere’ bezeichnet, man ‚entwirft ein Papier’ als Vorlage für eine Besprechung; man reicht ‚seine Papiere’ ein oder bittet um diese;

der Archivar stöbert in ‚alten Papieren’, und die Ämter kämpfen gegen eine ‚Papierflut’, wenn sie der Gesetze, Erlasse und Verordnungen kaum mehr Herr werden.

Papier verpackt und verhüllt die Pausenbrote der Kinder wie das Geschenk zum Geburtstag und die Blumen für die Oma; es enthüllt verborgene Geschichten, wenn es erst einmal durch die Rotationspressen der Sensationsblätter gelaufen ist. Als Zigarettenpapier benebelt es wie manches Sektenpamphlet, ernüchtert aber, wenn es als Bußgeldbescheid oder Gerichtsvorladung im Briefkasten liegt. Als Zeugnis erhöht oder erniedrigt es den Empfänger; als Brief von Freunden oder Notiz über die lang ersehnte Gehaltserhöhung bringt uns das Papier Freude, als Beschwerdebrief oder Ankündigung einer Mieterhöhung hingegen Ärger. Seitenweise ließe sich beschreiben, in wie vielfältiger Form wir mit dem Papier umgehen und welche zahlreichen Botschaften des Lebens es uns vermittelt.“

Günter Bayerl, Karl Pichol. Papier: Produkt aus Lumpen, Holz und Wasser (Hamburg, 1986), S. 7.